Premiere nach Maß! Die erste Filmkritik nach den erfolgreichen Vorführungen beim Münchner Filmfest fällt für Ronny&Klaid sensationell aus: Das Magazin Kino-Zeit berichtet wie folgt:

 

 

DEUTSCHE KOMÖDIE? GEHT DOCH!

 

Mit dem Nonsens-Humor ist es ja so wie im Märchen bei Frau Holle. Da steigt man tief hinab für einen ganz, ganz tiefgelegten Witz. Und wenn man da unten im Brunnen des Blödsinns dann seine Albernheiten ausschüttet – dann schneit es in der Welt den schönsten Quatsch. Eigentlich eine einfache Sache – doch man muss sie mit reinem Herzen ausführen, ohne Hintergedanken und Berechnung, sondern voller Kindlichkeit: Dann funktioniert es. Dann wird das, was unter jedem anderen Umstand wie Pech an uns kleben mag, zum reinen, puren Gold des Unsinns.

 

Erkan Acar bewältigt in Ronny & Klaid diese nicht leichte Aufgabe: Sich aufs unterste Niveau zu begeben, um Nonsens zu schürfen. Es kann ja filmisch auch in die Hose gehen, wenn man doofe Typen zeigt, die nur Doofes tun: Detlef Bucks Asphaltgorillas beispielsweise, ebenfalls deutsch, versucht mit den ähnlichen Elementen Freundschaft, Gangster, Täuschung, Betrug, Gewalt ein Unterweltdrama zu schaffen, und sein Film ist auf überraschende Weise vor allem vollkommen uninteressant und langweilig. Erkan Acar hat ebenfalls Gangster, Freundschaft, Betrug und Gewalt, aber auf ganz andere Art, nämlich im Modus eines unendlichen Quatsches. Womit er den doofen Typen der Filmgeschichte näher kommt, die doofe Dinge tun und daraus fantastisch Wunderbares schaffen; Chefinspektor Clouseau zum Beispiel oder Detective Lieutenant Drebin oder Kommissar 00 Schneider (um nur mal auf der Seite des Gesetzes nachzusehen).

 

Da sind also Ronny und Khalid, die sich, weil's cooler klingt, Ronny und Klaid nennen. Stolze Besitzer eines Spätkaufs, der freilich nichts einbringt – was daran liegen kann, dass es dort als Ware hauptsächlich so billiges wie schreckliches Pennerbier gibt. Damit das Geld ein bisschen mehr wird, bemüht sich Khalid als Hütchenspieler, verliert aber immer; ist halt leider so, dass diese bunten Ikea-Plastiktassen nicht ganz blickdicht sind. Dann verliebt sich Ronny in eine der seltenen Kundinnen; und Khalid verliert beim Roulette 80.000 Euro, die er diesem bitterbösen, fiesen Gangster schuldet, der sich als derjenige vorstellt, der sich selbst nie die Finger schmutzig macht. Weil hier natürlich alles Klischee und Karikatur ist!

 

Und welch grandiose komische Typen die beiden sind, dargestellt von Franz Dinda und Sahin Eryilmaz, ein Komikerduo, wie es im Witzbuche steht: Erfüllt von den Vorstellungen, die ihnen ihr Medienkonsum einflüstert, stoßen sie Sprüche aus, dass es kracht – dass Klaid auf billigste Masche Sprichwörter verwechselt, ist verziehen, weil er dann doch immer mal wieder den Nagel auf den Sack trifft, und Ronnys völlig uncooler Auftritt in hypercoolem Ryan-Gosling-Modus ist absolut daneben und trifft genau: "Bon Giorno, John Porno!"

 

Dass das funktioniert, liegt daran, dass nicht nur die beiden Hauptfiguren bekloppt sind, sondern schlicht jeder nach Klischeemuster funktioniert – und dabei mit viel Lust am Lustigen persiflierend vergackeiert wird. Dass der eine Henchman vom Gangster stottert – geschenkt. Der andere aber lispelt, der dritte sächselt und das ist wirklich brutal. Und weil die Welt, die hier so schön aufgebaut wird, vollkommen (und auf immer wieder neue Art) idiotisch ist, kommt zwar alles unlogisch, aber dennoch in sich konsistent daher.

 

Eine wahre Feier des Klischees und Überklischees und Metaklischees läuft an, wenn der Hauptteil beginnt: Um das Geld aufzutreiben, braucht es nämlich einen Plan. Und zum Glück steht im Internet, dass jeder zehnte Deutsche Millionär ist. Also muss man, nach Adam Riese, einfach zehn Leute entführen, und einer von ihnen … ihr versteht schon. Am besten die kidnappen, die reich aussehen. Und das gibt Anlass zu diversem Quatsch. Kung-Fu-Quatsch, Kunstgalerie-Quatsch, Fitness-Quatsch, Hacker-Quatsch, Hiphop-Quatsch, Krankenhaus-Quatsch, Filmset-Quatsch. Die Schwulen nicht zu vergessen. Denn wer ist reich? Es sammeln sich im Keller die Geiseln: Der Jude, der Schwule, der Fußballtrainer, die Galeristin, der Rapper, der Hacker und so weiter – und Fatih Akin. Ja, warum nicht?! Fatih Akin, vom Filmset geschnappt, wo sich vor Green Screen eine Ziege und in Alu verpackte Skulpturen tummeln und wo Akin sich in Eifer und Unvermögen hervortut, wenn es darum geht, fette Joints zu drehen.

 

Warum nicht? Das ist das Übermotto dieses Films, und es ist nicht das schlechteste Motto, das man sich aussuchen (und ggf. auf den Grabstein meißeln) kann. Deswegen ist es auch nur logisch, wenn schließlich Klaid seine, wie er sagt, "metaironischen Kräfte nutzt", um Ronny anzutelepathieren – jawohl, Telepathie ist auch wichtig in diesem Film. Denn: Warum nicht? 

 

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